XHDATA D-808
China hat sich für DXer und Radio-Enthusiasten längst zu einen der wichtigsten Länder der Erde entwickelt. Den D-808 des mittlerweile recht bekannten chinesischen Herstellers XHDATA gibt es schon seit geraumer Zeit - und sicherlich wurde auch schon einiges über ihn geschrieben. Mich hat es interessiert, wie er sich neben Konkurrenten wie dem DX-286 von Qodosen oder dem MLite-880 von Elecevolve positionieren kann. Auch der D-608WB und der kleine D-219 von XHDATA durften für diesen Vergleich herhalten. Neugier war meine wichtigste Motivation - und so kam es dann also zu diesem Testbericht.
Der XHDATA D-808 wird zusammen mit einer mehrsprachigen Anleitung ausgeliefert. Weil die deutsche Version unvollständig unübersichtlich ist, stelle ich hier eine deutschsprachige Anleitung zur Verfügung, die zu 100 % mit dem Original übereinstimmt.
Der erste Eindruck und die Grundfunktionen

Sehr positiv fällt beim Auspacken auf, dass der D-808 zusammen mit einer hübschen Transporttasche (vermutlich aus Kunstleder) und einer Wurfantenne ausgestattet ist. Selbstverständlich auch mit Ladekabel. Besonders erfreulich ist, dass die Wurfantenne statt mit Klemme mit einem Klinkenstecker ausgestattet ist und über die dafür vorgesehene Buchse mit dem Radio verbunden wird. Welche Möglichkeiten daraus entstehen, hat der ausführliche Test dann gezeigt. Mit seinen 15 cm x 9 cm x 3 cm ist der D-808 zwar etwas größer, als der DX-286 von Qodosen, gehört aber trotzdem in die Kategorie "klein und ideal für unterwegs". Auch optisch gefällt mir der kleine Weltempfänger sehr gut: Das Gehäuse und der Grill silbergrau, das Markenlogo Silber auf Orange. Auf der DXer-freundlich ausklappbaren Lasche auf der Rückseite sind die technischen Daten aufgelistet. Auf der rechten Seite des Geräts findet sich ein Multifunktions-Knopf. Durch kurzes Drücken lässt sich die Schrittweite zwischen schnell, langsam, und stopp variieren. Drückt man drei Sekunden lang, aktiviert man die Squelch-Funktion, die man durch anschließendes Drehen der Taste verändern kann. Zudem sehr komfortabel: Für Fine Tuning befindet sich direkt darunter ein weiterer Knopf für die Feinabstimmung. Auf der rechten Seite sitzt der Drehknopf für die Lautstärke und die beiden Klinken-Buchsen für die externe Antenne und den Kopfhörer.
Auffallend ist bereits auf den ersten Blick die ergonomische Anordnung der Tasten: Bandauswahl mit den Tasten links, direkte Frequenzeingabe in der Mitte, Speicher und andere Funktionen oben und rechts. Manche Tasten haben zusätzliche Funktionen, die nur man nur starten kann, wenn das Gerät ausgeschaltet ist - mit roter Schrift gekennzeichnet. Mit diesen Tasten kann man beispielsweise die Langwelle aktivieren, das jeweilige FM-Band wählen, den "Beep"-Ton ein- und ausschalten usw.
Nicht beschrieben ist in der deutschen Übersetzung des Handbuchs, dass das Radio auch über eine Temperaturanzeige verfügt und wie man diese aktiviert: Man drückt im ausgeschalteten Zustand kurz die Taste "Display" und dann drei Sekunden lang die Taste "3". Wird danach die Temperatur in Fahrenheit angezeigt, dann gleich nochmal lang die "3" drücken.

Der D-808 verfügt über mehrere Such- und Speichermöglichkeiten: Je nachdem, was man gerade hört, mag man die ATS-Suche (FM-Taste lang drücken), Springen zum nächsten starken Sender (Pfeiltasten), die Sendersuche über den Drehknopf oder die direkte Frequenzeingabe bevorzugen. Für jede Situation ist gesorgt. Das gilt für jedes Frequenzband. 500 Senderspeicher - das dürfte für mehr als nur den Hausgebrauch ausreichen. Für jedes Band gibt es 100 Speicher - jeweils unterteilt in zehn sogenannte "Pages". Speichern ist ganz einfach: Page wählen und anschließend mit den Ziffern-Tasten den gewünschten Speicherplatz von 0 - 9 drei Sekunden lang drücken. Was zuvor gespeichert wurde, wird überschrieben. Um einen gespeicherten Sender wieder aufzurufen genügt es, die gewünschte Ziffer zu drücken - je nach ausgewählter "Page".

Die Antennen
Für die Mittel- und Langwelle verfügt das Gerät über eine eingebaute Ferritantenne, die durch Drehen des D-808 auf die Position der Sender angepasst werden kann. Die Empfindlichkeit beim Empfang ist sehr ordentlich und kann durchaus mit den genannten Vergleichsgeräten konkurrieren. Auch ein SONY ICF 7600GR hat eine ähnliche Leistung gezeigt. Die mitgelieferte Wurfantenne hat zudem vor allem auf den Kurzwellen im Außenbereich, also z.B. im Garten, eine zusätzliches Plus gebracht. An die Klinkenbuchse lässt sich natürlich auch eine dedizierte Außenantenne anschließen. Mit sehr gutem Ergebnis habe ich das dann auch getestet. So konnte ich nach Einbruch der Dunkelheit, ganz besonders aber in den frühen Morgenstunden beispielsweise Radio Caroline auf 648 KHz nahezu rausch- und störungsfrei empfangen. Mit meiner drehbaren Loop-Antenne von Wellbrook ließ sich Radio Murski Val weitestgehend ausblenden. Auch die eher schwachen Signale von Radio Keralam aus Ras-al-Khaima auf 1476 KHz waren nach Abschaltung von "Museumsradio 1476" fast jede Nacht hörbar. Mit der internen Ferritantenne oder der Wurfantenne war das Signal aus dem Vereinigten Emiraten allerdings nicht zu hören - immerhin war Radio Caroline mit einigem Rauschen hier im Breisgau hörbar.
Für UKW verwendet man normalerweise die eingebaute Teleskopantenne. Eine externe UKW-Antenne, sofern vorhanden, kann natürlich ebenfalls angeschlossen werden.
UKW / FM
Das Frequenzspektrum für UKW reicht von 64 MHz bis zu 108 MHz. Je nach Favorisierung bzw. je nach Region, in der man sich befindet, hat man für UKW vier verschiedene Einstellungsmöglichkeiten, die von FM64-108M bis hin zu FM87.5-108M reichen. Die Einstellung lässt sich jederzeit per Knopfdruck wieder ändern.
Variieren lässt sich auch der Suchmodus, also die Schrittweite durch Drücken des seitlichen Suchknopfes oder wahlweise mit dem Fine-Tuning-Rädchen. Mit "Freq" kann die gewünschte Frequenz auch direkt eingegeben werden. So gibt man beispielsweise für 105.1 MHz ein: "Freq" +1051 + "Freq".
Mit angeschlossenem Ohr-/Kopfhörer kann man die Sender auch in Stereo hören. Der Stereo-Modus kann auf Wunsch ein- oder ausgeschaltet werden. Insbesondere bei schwächeren Sendern ist zu empfehlen, bei störendem Rauschen den Mono-Modus zu aktivieren.
Drückt man einmalig kurz die Taste FM, schält sich das Gerät in den UKW-Modus. Drückt man es für mehr als 2 Sekunden, beginnt der Sendersuchlauf - falls erforderlich mit Speicherung der gefundenen Stationen. Für die Eingabe der Sendefrequenz hat der Anwender, wie bereits beschrieben, zum einen die Möglichkeit, die entsprechenden Daten über das Zahlenfeld direkt einzugeben. Eine weitere Option ist der Drehknopf auf der rechten Seite, mit dem man, je nachdem, welche Schrittweite eingestellt ist, zur nächst oberen oder unteren Frequenz umschalten kann. Zudem kann man seinen gesuchten Lieblingssender über die Such- und die Speicherfunktion des Geräts einstellen.
Die Empfangsleistung ist, wie auch bei anderen Radios aus chinesischer Produktion, sehr gut. Der XHDATA D-808 verfügt anstelle eines TEF6686-Chips über den Silicon Labs Si4735. Tatsächlich wirkt sich das auf die Empfangsleistung kaum aus.
Ich konnte beide Systeme vergleichen. Dabei ist der D-808 sowohl bei der Signalstärke als auch im Bereich der Trennschärfe gegenüber dem Deepelec DP-666 mit TEF6686 weitgehend gleichwertig - bei RDS hatte der D-808 leichte Vorteile gegenüber dem DP-666 oder dem DX-286 von Qodosen. Umschalten kann man die verschiedenen RDS-Seiten übrigens ganz einfach durch mehrfaches Drücken der "Info"-Taste.
Traditionelle Empfänger wie beispielsweise der Grundig Satellit 700 oder der Sony ICF 7600GR müssen auch beim D-808 im UKW-Bereich passen. Eine Bandbreitenschaltung gibt es beim D-808 allerdings nicht.
Der Klang der wiedergegebenen Sender ist relativ zur Größe des Geräts und seines Lautsprechers verblüffend gut. Ein Beispiel auch hier: "Deutschlandradio Kultur" sendet mit 200 Watt von der Berliner Allee in Freiburg i. Br. und kann hier in Herbolzheim im nördlichen Breisgau problemlos und störungsfrei empfangen werden. Ebenso "uniFM", das von der Freiburger Uniklinik aus mit 300 Watt sendet. Auch "Freies Radio Wiesental", 500 Watt und 60 km entfernt, konnte problemlos und rauschfrei (Mono) gehört werden. Bei klassischen Radio geht das nicht.
Langwelle / Mittelwelle
Auf der Langwelle wird es mittlerweile leider immer leerer. Nur noch wenige Sender sind dort heute noch zu hören. Trotzdem ist es erfreulich, dass der D-808 von XHDATA über diese Empfangsmöglichkeit verfügt. Standardmäßig ist die Langwelle deaktiviert. Drückt man im ausgeschalteten Zustand 3 Sekunden lang die Taste "LW/MW", kann man die Langwelle ein- und ausschalten. Die Schrittweite auf der Mittelwelle mit der Zifferntaste "0" (wiederum im ausgeschalteten Zustand) einstellen. Eine individuelle Einstellung der Frequenz ist ohnehin immer möglich (Direkteingabe, Fine Tune). Wie oben beschrieben, gibt es für die Lang- und Mittelwelle eine eingebaute Ferritantenne. Je nachdem, wie das Gerät ausgerichtet wird, kann damit das Sendersignal verbessert werden. Wie auch bei den anderen Bändern, lässt sich an der dafür vorgesehenen Klinken-Buchse, eine externe Antenne anschließen. Während die Ergebnisse mit der mitgelieferten Wurfantenne bei Lang- und Mittelwelle nicht überzeugen konnten, hatte ich mit meiner drehbaren Wellbrook-Loop beachtliche Empfangsergebnisse: Der Museumssender 1476 beispielsweise, konnte problemlos gehört werden, Radio Eule aus München auf 1500 KHz war noch wahrzunehmen, aber schwach und gestört. Trotzdem darf man auf die Wintersaison gespannt sein, wenn es auch wieder Übersee-Empfang gibt.
Sehr hilfreich für den AM-Empfang ist die SQUELCH-Funktion (Drehknopf). Sie steht für den gesamten AM-Bereich zur Verfügung. Bei UKW-Sender eher nicht nötig, ist SQELCH für Lang-, Mittel und Kurzwelle, je nach Stärke des Signals, eine schöne Hilfe und es ist sehr angenehm, einen Sender mehr oder weniger rauscharm zu hören. Bei sehr schwachen Signalen ist der Schwellwert allerdings - wie auch bei anderen Empfängern - oft zu niedrig, so dass es sich in so einem Fall nicht unbedingt empfiehlt, SQUELCH zuzuschalten.
Auf der Mittelwelle gibt es hier in Deutschland bekanntlich erst nach Einbruch der Dunkelheit etwas zu hören. Das Spektrum des D-808 auf der Mittelwelle reicht von 522 bis 1710 KHz und kann von 9 auf 10 KHz eingestellt werden. Die Langwelle reicht von 150 KHz 450 KHz. Bekanntlich senden in den Abendstunde oberhalb von 1611 KHz zahlreiche Piratensender - vorwiegend aus den Niederlanden und Griechenland. Um diese zu hören, muss man zuvor den 10-KHz-Modus (Taste "0") auswählen und die Frequenzen entweder direkt eingeben, oder mit "Fine Tune wählen.
Insgesamt ist die Empfindlichkeit und die Trennschäfte auf der Lang- und Mittelwelle mit der eingebauten Ferritantenne ordentlich und beispielsweise mit dem Grundig Satellit 700 vergleichbar. Leider ist ein wirklich störungsfreies Umfeld im Innenbereich nur noch selten zu finden. Verbindet man den D-808 mit einer guten externen Antenne (wie z.B. die Wellbrook Loop), dann lässt sich erstaunlich viel hörbar machen. Das trifft im Übrigen auch uneingeschränkt auf die Kurzwelle zu.
Kurzwelle
Die Kurzwelle reicht lückenlos von 1.711 KHz bis hin zu 29.999 KHz. Ebenso wie die anderen Bänder lässt sich die Kurzwelle sowohl über den Drehknopf abstimmen, als auch direkt eintippen. Automatische Sendersuche steht ebenso zur Verfügung, wie die mannigfaltigen Speichermöglichkeiten und die vierfache Bandbreitenumschaltung. Auch SSB funktioniert ebenfalls: Sogar mit einer sehr komfortablem Auto-Suche. Aktiviert man die Funktion bei einem SSB-Sender, dann wird automatisch die korrekte Einstellung gesucht. Dennoch gibt es Fine Tuning und man kann zwischen LSB und USB hin- und herschalten. Getestet und für gut befunden.
Die Empfangsleistung mit der eingebauten Teleskopantenne ist im Bereich der Kurzwelle sehr ordentlich. Auf allen Kurzwellenbändern sind mit der eingebauten Teleskopantenne der Rauschpegel und die Signalstärke verglichen mit dem Grundig Satellit 700 oder dem Sony ICF 7600 GR zumindest ebenbürtig - mit gefühlten leichten Vorteilen für den kleinen D-808.
Auch für die Kurzwelle bietet das Gerät die Option, an die Klinkenbuchse eine externe Antenne anzuschließen - was tatsächlich weitere, erstaunliche Möglichkeiten eröffnet. Ein Beispiel aus der Praxis: Wenn ich das Gerät mit meiner drehbaren Wellbrook Loop Dachantenne verbinde, werden auch schwächere Sender gut hörbar gemacht. So kann ein ansonsten eher etwas verrauschter "Channel 292" auf 6070 KHz wunderbar klar gehört werden. Sehr sauber klang auch beispielsweise in den Morgenstunden WWCR aus Nashville, TN auf 4840 KHz. Insgesamt kann der D-808 mit angeschlossener Wellbrook Loop durchaus auch mit seinen großen Brüdern mithalten.
Auf der Kurzwelle kann die mitgelieferte Wurfantenne nutzbringend eingesetzt werden. Insbesondere im Außenbereich, aber auch in störungsarmen Räumen kann man so manches hörbar machen, was sonst im Rauschen untergeht. Besonders die 6070 KHz, 6140 KHz oder auch die Auslandsdienste aus Ankara, Vietnam usw., empfängt man mit externer Wurfantenne oft mit richtig gutem Signal.
Das AIR-Band
Mit dem XHDATA D-808 kann auch das AIR-Band empfangen werden. Sogar mit ATS. Das ist vor allem dann interessant, wenn man sich in der Nähe eines Flughafens befindet - was hier bei mir leider nicht der Fall ist. Einige Signale sind aber dennoch hörbar, in aller Regel Flieger, die sich gerade in Reichweite befinden. Eine detaillierte Analyse des Flughafenempfangs kann ich nicht liefern, aber doch lässt sich auch hier einiges empfangen. Für so ein kleines Gerät kann es sehr viel. Wie der D-808 im Vergleich mit Flugscannern abschneidet, kann ich nicht beurteilen, weil ich solche nicht besitze.
Fazit

Der XHDATA D-808 ist ein schönes, einfach bedienbares portables Radio mit vielen sehr guten Eigenschaften. Zwar vielleicht kein absolutes High-End-Gerät. Als solches wurde es auch nicht konzipiert. Stark empfehlenswert ist es in jedem Fall, wunderbar für unterwegs und die Reise - und sogar mit RDS und SSB ausgestattet. Besonders gute Noten bekommt das Gerät im Zusammenhang mit einer hochwertigen externen Antenne, im Kurzwellenbereich. Aber durchaus auch mit der mitgelieferten Wurfantenne kann sehr viel empfangen werden. Fazit: Für kleines Geld ein wirklich gutes Radio!