Choyong Voyager



9 x 5 x 3 cm, 139 Gramm - einschließlich der wiederaufladbaren, nicht ganz einfach austauschbaren Batterie: Das wahrscheinlich kleinste Internetradio der Welt. Jedenfalls kenne ich keines, das so klein, so leicht und so hübsch ist wie der Choyong Voyager. Um die 50.000 Sender und zahllose Podcasts bringt er zum Klingen - und das, relativ zu seiner Größe, in wirklich erstaunlicher Klangqualität.

Eine Besonderheit, wie bei allen Internet-Radios der Firma Choyong ist, dass man sich in Bezug auf die Internet-Datenbank nicht von fremden Providern abhängig macht, die immer wieder auch mal pleitegehen, vom Markt verschwinden oder verkauft werden. Der südchinesische Hersteller pflegt einen eigenen Aggregator, der permanent automatisch aktualisiert wird. Zur Steigerung der Qualität hat die Firma Choyong zudem in vielen Ländern der Erde Freiwillige, die helfen, die Sender regelmäßig zu testen und zu aktualisieren.

Ein Radio, das in jede Westentasche passt und das man überall hin mitnehmen kann: Der Name "Voyager" ist Programm.

Geliefert wird das kleine Gerät gut verpackt und gepolstert in einer sehr stabilen Box - zusammen mit einem Ladekabel, einem hübschen, farblich gut passenden Tragegriff und einer Gebrauchsanleitung. Da diese nur in englischer Sprache vorhanden ist, stelle ich hier eine
deutsche Übersetzung zur Verfügung.



Um besser zu verstehen, wie der Choyong Voyager funktioniert, möchte ich ihn hier etwas genauer vorstellen.

Eine erste Herausforderung ist nach dem Auspacken das Anbringen des Tragegriffs in der dafür vorgesehenen Öse auf der rechten Seite. Das kann zu einer echten Fummelei ausarten. Ich habe einen dünnen, leicht abgerundeten Draht durchgeführt (auch das ist nicht ganz einfach) und daran die dünne Seite des Tragegriffs angebunden und vorsichtig mit einem Zängchen durchgezogen. Das hat letztlich ganz gut geklappt.

Wichtig: Weil die Radios nicht mit voll aufgeladener Batterie auf dem Luftweg verschickt werden dürfen, ist der Akkustand zum Zeitpunkt der Lieferung so niedrig, dass das Gerät in aller Regel zunächst auf gar nichts reagiert. Darum muss man es vor allem Anderen mit dem mitgelieferten Kabel laden. Hierfür kann jedes beliebige Smartphone-Ladeteil von Samsung, iPhone, Android usw. verwendet werden. Die Ladezeit für die initiale Ladung des eingebauten Akkus beträgt ca. 4 Stunden.

Um das Radio einzuschalten muss der kleine, rote Einschaltknopf auf der Oberseite des Geräts
drei Sekunden lang gedrückt werden. Dann erst erscheint das Choyong-Logo und anschließend wird das Radio gestartet. Also: Nicht einfach kurz drücken und sich wundern, dass nichts passiert.



Im Display wird die Uhrzeit angezeigt:



In nächsten Schritt muss das Gerät mit einem WLAN oder mit einer SIM-Karte verbunden werden. Überraschung: Der Voyager verfügt über einen sogenannten Touchscreen. Mit den Fingern bewegt man den Bildschirm von oben nach unten oder auch horizontal. Zurück kommt man mit der Tasten "C". Zunächst öffnet sich durch Ziehen nach unten das Konfigurations-Menü. Dort kann man u.a. die SIM-Einstellungen und das jeweilige WLAN einrichten - und zwar mit dem gezackten Rädchen ("Settings"). Das geht so:

1. WLAN einschalten (WiFi)
2. Aus der angezeigten Liste das eigene Modem auswählen.
3. Nun wird der Anwender aufgefordert, den Key (Netzwerkschlüssel) einzugeben. Nach Abschluss nur noch speichern - und schon ist man Herr über ungefähr als 50.000 Radiosender aus aller Weilt - bis hin zu den Salomonen-Inseln.

Einstellen kann man hier u.a. auch die aktive Bildschirmzeit ("Backlight"). Das ist natürlich Geschmacksache. Ich persönlich habe "always" gewählt. Das kostet geringfügig mehr Strom, dafür aber werden Sender und Uhrzeit dauerhaft angezeigt.

Einstellen kann man hier auch die Spielzeit des Geräts - und auch mögliche Softwareupdates gibt es hier.

SIM-Karte

Als Nächstes gibt es die Option, das Radio unabhängig von einem vorhandene WLAN mit einer eigenen SIM-Karte zu betreiben. Aus diese Weise ist man lokal nicht gebunden - in aller Regel funktioniert es dann überall im Land, wo 4G verfügbar ist. Auf der Unterseite des Geräts gibt es ein Einschubfach für die SIM-Karte. Dabei funktionieren sowohl reine Daten-SIM als auch jede herkömmliche SIM-Karte. Bei meinem Provider kann ich eine sogenannte Partner-SIM-Karte mit 20 GM Datenvolumen pro Monat für ca. 3 € buchen. Nach jedem Neustart des Geräts über die rote Taste auf der Oberseite wird dann die PIN der SIM abgefragt.



eSIM

Choyong bietet seinen Kunden zudem eine eSIM-Funktion an. Diese muss man bei Choyong freischalten lassen. Ein Testmonat kostet 99 Cent, danach, jederzeit kündbar, 15 $ pro Monat. Es gibt eine eSIM für Europa + Afrika + Asien und eine für Amerika.

Bluetooth

Der Voyager lässt sich auch als "Bluetooth Speaker" verwenden. Einfach koppeln und fertig. Über die Bluetooth-Funktion im Hauptmenü kann dann beispielsweise ein externer digitaler Rekorder gesteuert werden.

Radiosender empfangen



Streicht man den Bildschirm nach rechts, erscheint der erste Teil des Radio-Menüs mit "Search", "Asia", "Afrika" und "Europe". Streicht man weiter, kommt der zweite Teil mit "SA" (=Südamerika), "NA" (Nordamerika), "Oceania" und einem "ADD", mit dem man eigene Sender hinzufügen kann, falls diese nicht ohnehin bereits zur Auswahl stehen. Im dritten Bildschirm gibt es dann noch "Favorite", "Podcast" und nochmal "Setting".

Wählt man durch Berühren einen Kontinent aus, dann listet das Radio die dort verfügbaren Länder auf und innerhalb der Länder sind die Sender nach Kategorien wie z.B. Bundesländer zugeordnet. Durch einfaches Berühren wird die gewünschte Station gestartet.

Weil diese Art der Suche oft zeitraubend ist, gibt es auch die Option, mit dem Gerät zu sprechen und einen Sender mit der eigene Stimme zu suchen. Hierfür wählt man das "Search"-Icon aus und drückt anschließend die Mikrophon-Taste (Oberseite ganz rechts). Diese hält man gedrückt und sagt nun dem Voyager, was man gern hören möchte - beispielsweise "BBC", "Kontrafunk", "WDR" usw. Das Gerät versteht die deutsche Aussprache recht gut, die englische noch besser. Hat man den Namen des gewünschten Senders gesprochen und die Mikrophon-Taste losgelassen, werden die gefundenen Sender aufgelistet. Man muss allerdings deutlich sprechen. Manchmal muss man die Suche wiederholen, weil es nicht immer gleich auf klappt - je nach Aussprache des Anwenders. Das ist aber reine Gewohnheit und wird im Laufe der Zeit immer einfacher.

Mag man einen Sender besonders gern und möchte ihn regelmäßig hören, dann drückt man einfach das Herzchen und schon wird er in der Favoritenliste gespeichert. Mit wiederholten Drücken wird er wieder aus der Favoritenliste gelöscht.

Die Favoriten, mein meistbenutzter Menü-Punkt, findet man auf der dritten Bildschirmseite. Hier werden die Lieblingssender alphabetisch aufgelistet.

Schließlich gibt es noch den Menüpunkt "Podcast": Podcasts sind nach Themen sortiert - allerdings nur in englischer Sprache. Jedoch lassen sich, wie bei den Sendern, auch eigene Podcasts hinzufügen ("ADD") - am einfachsten über die Choyong-Online-Seite. Einfach Konto anlegen, wenn man noch keines hat:
https://user.choyongradio.com/web/user/login

Fazit:

Das Klangvolumen einer HiFi-Anlage kann der Choyong Voyager natürlich nicht liefern. Trotzdem aber war ich erstaunt darüber, dass solch ein Winzling einen so angenehmen akustischen Eindruck macht. Der aufladbare Akku ist fest verbaut und kann nicht ganz leicht getauscht werden, was der größte Schwachpunkt des Voyager ist. Das sollte in künftigen Versionen geändert werden. Trotzdem aber überwiegen die vielen schönen Eigenschaften und ich persönlich bin ganz hingerissen von der ungewöhnlichen Optik des kleinen Radios. Ungefähr 50.000 Sender, zahllose Podcasts, Touchscreen, Sprachsteuerung - und das zu dem eher überschaubaren Preis von ca. 76,00 €. Kein Gerät für die Ewigkeit - aber gibt es das wirklich noch? Stattdessen aber ein richtig schönes Radio in verspielter Optik - klein, klangstark, transportabel und nicht nur auf Reisen ein liebenswerter Begleiter.


Weitere Informationen findet man auf den Seiten von Choyong, wo man den Choyong Voyager auch kaufen kann:
https://www.choyongradio.com/