Choyong LC100
Radio ist meine Passion. Es hat mich mein ganzes bisheriges Leben lang begleitet. Schon damals, als ich noch daheim an Papas altem Röhrenradio meine ersten Schritte in die Welt hinaus machte, war das Radio zu einem Tor zur Welt für mich geworden.
Wer hätte damals an all die Möglichkeiten von heute gedacht? Die Firma Choyong gibt es auf dem europäischen Radiomarkt nun schon seit einigen Jahren. Es sind in der Tat bemerkenswerte Produkte, die man im Radio-Shop von Choyong bewundern kann: Da ist beispielsweise der "Voyager" - vermutlich das kleinste Internetradio der Welt. Mit einem opulenten Klangspektrum wartet der in echtem Nappaleder gekleidete Maestro auf - und der LC90 war meines Wissens weltweit der erste Weltempfänger mit Internetradio, TF-Karte, eSIM usw.
Jetzt hat Choyong ein Radio vorgestellt, das alles bisher Gekannte in vielfacher Hinsicht übertrifft: Den LC100, also den Nachfolger des bereits sehr leistungsfähigen LC90, gibt es in zwei Ausführungen: Es gibt eine Version mit DAB+, die eigens für den europäischen Markt und Brasilien entwickelt wurde. Die zweite Version ohne DAB+, dafür aber mit dem TEF6686-Chip ausgestattet, ist für all jene Teile der Welt gedacht, in denen DAB+ nicht verfügbar ist - und für explizite UKW-Wellenjäger. Bei den hier gemachten Angaben beziehe ich mich jeweils auf die europäische Version mit DAB+.
Weil es derzeit noch keine deutschsprachige Bedienungsanleitung gibt, stelle ich diese hier auf meiner Internetseite zur Verfügung.

Auch in seiner äußeren Erscheinung gibt es den LC100 in zwei verschiedenen Versionen: Ganz in schwarz ähnelt er in Teilen seinem Vorgänger, dem LC90. Mir persönlich gefällt der LC100 in Silber-Optik ganz besonders gut. Während die multifunktionalen Drehknöpfe des LC90 auf der rechten Seite des Geräts herausragen, sind sie beim neuen LC100 ins Gehäuse integriert. Zusätzlich gibt es nun auf der linken Seite zwei Drehknöpfe, mit denen die Höhen und die Bässe unabhängig voneinander eingestellt werden können. Eine ganze Reihe neuer Funktionen sind hinzugekommen, was im Folgenden detailliert besprochen werden soll. Besonders gelungen ist das deutlich vergrößerte Display. Das Radio erkennt die lokale Position und zeigt folgerichtig die Zeit, die Temperaturen, die Luftfeuchtigkeit sowie den Sonnenauf- und -untergang der nächstgelegenen Wetterstation an.

Es ist noch nicht lange her, da war der LC90 weltweit das erste Radio, das über alle wichtigen Funktionen eines Weltempfängers verfügte und zugleich als ein modernes Internetradio mit Podcast, Bluetooth und Sprachsteuerung ausgestattet war. Firmware-Updates, die Choyong seinen Kunden kostenlos zur Verfügung stellt, machten das Radio zusätzlich zu einer interaktiven Musikbox, einer Audio-Maschine, bei der man einfach den Musiktitel oder den Namen des Künstlers nennt, und schon spielt das Radio seine Schallplatten ab. Hinzu kamen Benutzerumgebungen in mehreren Sprachen, darunter auch Deutsch. Mit dem LC100 gibt es nun ein Radio, das all diese Funktionen in sich vereinigt. Auch die deutsche Benutzerumgebung wird es bald geben. Was dazugekommen ist, lässt sich nicht in wenige Worte fassen. Erstmals gibt es nun einen Weltempfänger mit DAB+, Musikbox-Funktion, Internetradio, Podcast, Voice-Input, Bluetooth, Zeitarchiv, Rekorder und vielem mehr.
Internetradio & Podcasts
Wenn man das Radio gestartet hat, kann man sofort auf die analogen Funktionen des Geräts zugreifen. Das sind die Langwelle, die Mittelwelle, die Kurzwelle und UKW. Um auf die Onlinesender zugreifen zu können, muss sich das Gerät allerdings, wie schon beim LC90, immer erst mit dem WLAN und WAN verbinden, was ein paar Sekunden dauern kann. Die WLAN-Funktionen wurden gegenüber dem LC90 erheblich verbessert und beschleunigt - auch können mittlerweile beide WLAN-Bänder verwendet werden. Alternativ kann man den LC100 auch mit SIM oder eSim betreiben. Die eSim kann man direkt bei Choyong bestellen, so dass das Radio vollumfänglich auch ohne eigenes Internet-Modem betrieben werden kann. Die Firma Choyong verwaltet eine eigene Datenbank, in der die Online-Radios bereitgestellt werden - und ist somit nicht auf fremde Provider angewiesen, die immer mal wieder von der Bildfläche verschwinden. Die Auswahl ist enorm und die Stabilität ist weitaus höher, als bei allen anderen Anbietern. Zur Auswahl stehen um die 50.000 Sender. Findet man trotz der Vielfalt mal einen bestimmten Sender nicht, so kann man diesen über eine Online-Schnittstelle ganz einfach selbst ergänzen. Die Sender sind sortiert nach Kontinenten und Ländern. Die deutschen Stationen sind den jeweiligen Bundesländern zugeordnet. Für die nationalen Sender wie z.B. den DLF sowie die Öffentlich-Rechtlichen sind in jeweils eigenen Kategorien verfügbar. Zusätzlich zu den vielen Internetradios findet der Hörer eine nahezu grenzenlose Zahl an Podcasts vor. Über das Menü kann man die bevorzugte Podcast-Sprache auswählen - darunter auf Deutsch. Für das Auffinden von Sendern oder Podcasts gibt es der Einfachheit halber auch noch die "Musik"-Taste. Über das Menü lassen sich zudem Sender nach Kategorien wie "Interviews", "Musik", "Technologie" und vielem mehr auswählen. Und damit nicht genug: Der LC100 hat auch eine Sprachsteuerung. So kann man mit dem Radio "reden" und ohne langes Tippen und Schrauben einfach den jeweils gewünschten Sender oder den gewünschten Podcast "aufrufen". Mit Kommandos wie "BBC" oder "Kontrafunk" werden die Stationen gesucht und in einer Trefferliste angezeigt, aus der man den gewünschten Sender dann auswählen kann. Gerechterweise muss hinzugefügt werden, dass die Sprachsteuerung nicht immer auf Anhieb klappt - was auch ab und zu daran liegt, dass das gesprochene Wort nicht immer korrekt interpretiert wird. Ab und zu konnte es helfen, wenn ich den Sendernamen wiederholte oder Englisch ausgesprochen habe. Die Klangqualität des LC100 ist ausgezeichnet - insbesondere auch durch die neue Möglichkeit, Höhen und Tiefen separat zu regulieren und seinem eigenen Geschmack anzupassen - immer natürlich auch in Abhängigkeit von der jeweils übertragenen Datenrate des eingestellten Senders.
Neu ist beim LC100 die Option, die jeweils regional verfügbaren Internetsender mit einer eigenen iRadio-Taste aufzurufen. Gesteuert wird das über die Standortsuche der Geräts.
Sender, die man besonders gern und häufig hört, kann man mit der Herzchen-Taste als Favorit markieren und in einer eigenen Liste speichern, die dann über die Taste "Menu" wieder abrufen kann. Das funktioniert auch bei Liedern, Podcast und den analogen Diensten.
Das Radio als Musikbox
Nachdem man die Menütaste und anschließend "Suche" gedrückt hat, kann man mit der eigenen Stimme (Voice Input) auf die Suche gehen. Man muss sich zuerst noch entscheiden, ob man nach Sendern (Ai2), nach Podcasts (Ai1) oder nach Musik (MENU) suchen will. Man hält die jeweilige Taste gedrückt und wenn das angezeigte Mikrofon zu blinken beginnt, nennt man den Künstler oder Komponisten, den man hören möchte und lässt dann die Taste wieder los. Man sollte den Namen allerdings möglichst genau aussprechen - manchmal wird der Name auch nicht erkannt. Wird der Künstler gefunden, dann verwandelt sich der LC90 in eine echte Musikmaschine. Man kann aus dem Repertoire des gewählten Künstlers wählen - oder einfach ein Stück nach dem anderen abspielen lassen - automatisch. Mit dem Herzchen lässt sich die jeweilige Auswahl als Favorit abspeichern und später mit der Herzchen-Taste wieder aufrufen. Im Laufe der Zeit lässt sich auf diese Weise eine richtige Musikbibliothek anlegen.
Bluetooth, TF und Rekorder-Funktion
Hat man sein Radio mit einem Bluetooth-Gerät gekoppelt, z.B. einen Mobiltelefon, dann ist man sein eigener Programmdirektor und kann bequem Musikdateien oder YouTube-Audio abspielen. Durch die zusätzliche Möglichkeit, Musik, Podcasts, Hörspiele usw. auf einer TF-Karte bereitzustellen und abzuspielen, sind die Möglichkeiten, die das Radio bietet, nahezu unbegrenzt. Die TF-Karte muss als FAT formatiert sein. Laut Angaben werden Karten bis 32 GB unterstützt. Tatsächlich aber funktionieren auch weitaus größere Karten - ich selbst habe bereits eine Karte mit einem ganze TB erfolgreich getestet.
Musikstücke und DAB-Sendungen kann der LC100 mittlerweile auch aufnehmen. Die Stücke lassen sich dann später bequem am PC bearbeiten, schneiden und als eigene Liste oder CD zusammenstellen. Der Rekorder funktioniert auch bei Podcasts problemlos. Für analoge Dienste wie SW, MW oder FM ist die Funktion aktuell noch nicht verfügbar. Drückt man die Aufnahmetaste im Standby-Modus, dann werden Umgebunsgeräusche aufgenommen - man kann dann auch selbst etwas "auf Band sprechen".
Das Radio als Zeitmaschine

Eine echte Überraschung erlebt man, wenn man über das Menü die Option Time Archive aufruft. Das Display des LC100 verwandelt sich und macht aus dem Radio eine echte Zeitmaschine. Das funktioniert so: Man wählt mit "OK" die gewünschte Sprache und mit gedrücktem "Tuning"-Drehknopf das Jahr, in das man reisen möchte. Dahinter steht online.org, eine riesengroße Sammlung historischer Dokumente aus der Vergangenheit. Die Zeitreise beginnt mit dem Jahr 1900 und endet heute. Per Zufall werden nun Aufnahmen aus dem gewünschten Jahr gespielt. Neben Musikstücken, Reden oder Aufnahmen von Geräuschen sind auch ganze Hörspiele und Rundfunksendungen zu hören. Die Auswahl ist willkürlich, so dass man sich jedes Mal auf neue Klänge freuen darf. Im Display sieht man neben dem gewählten Jahr und der Sprache den gerade gespielten Titel, die Dauer des Stücks, den Audio-Typ und Details zum Gespielten. Mit der Vorwärts-, der Rückwärts- und der Pause-Taste kann man navigieren und Stücke überspringen oder wiederholt hören.
Das Display nach dem Begrüßungstext zeigt nach einem initialen Start ab und zu eine Timeout-Meldung, die man durch kurzes Drücken der Taste "C" überspringen kann.
UKW / FM
Das Frequenzspektrum für UKW reicht von 64 MHz bis zu 108 MHz - einstellbar in 50, 100 und 200 KHz-Schritten. Auch eine Direkteingabe der Frequenz über die Zahlenfelder ist möglich. 88.5 MHz gibt man als 885 ein und wartet 1 Sekunde lang. Dann ist die Frequenz aktiv. Die Bandbreite lässt sich (mit gedrücktem Fine-Tuning-Drehknopf) vom 56 bis 311 KHz spreizen oder verengen - je nachdem, ob man eine besonders schwachen, aber eine starken Lokalsender hören möchte. Natürlich kann man auch einfach "Auto" einstellen, was fast immer passt.
Als Referenzgeräte habe ich für meine Tests und Vergleiche den Grundig Satellit700 und den kleinen, auf FM sehr empfangsstarken Deepelec DP-666 verwendet. Die Empfangsleistung des LC100 ist in der Tat sehr gut. Es ist erstaunlich, was das Gerät mit seiner 110 cm langen Teleskopantenne da alles zum Klingen bringt. Auch der DP-666 von Deepelec mit seinem TEF6686-Chip kann da nicht mithalten. Der Grundig Satellit700 schon gar nicht. Der Klang der wiedergegebenen Sender ist brillant - insbesondere mit einer hohen Bandbreite. In dieser Hinsicht ist der Choyong LC100 den beiden Referenzgeräten weit überlegen. Sehr positiv wirkt sich hier auch die individuelle Einstellmöglichkeit der Höhen und Bässe aus.
Beispiel: "Deutschlandradio Kultur" sendet mit 200 Watt von der Berliner Allee in Freiburg i. Br. und kann hier in Herbolzheim im nördlichen Breisgau problemlos und störungsfrei empfangen werden. Ebenso "uniFM", das von der Freiburger Uniklinik mit 300 Watt sendet. Auch "Freies Radio Wiesental", 500 Watt und 60 km entfernt, war auf dem DP-666 stark verrauscht und durch Interferenzen gestört, auf dem LC100 mit 56 KHz Bandbreite kristallklar. Auf dem Grundig war von dem Sender überhaupt nichts zu hören.
RDS gefällt mir am LC100 ganz besonders gut. Ich kenne kein zweites Radio, an dem der Name des gehörten Senders im RDS so schnell erkannt wird. Ist der Sender stark genug, dann dauert es maximal eine Sekunde, bis der RDS-Name im Display steht. Nach kurzen Warten erscheint dann der Programmtyp und schließlich, wenn verfügbar, der gespielte Titel.
DAB+

Erstmals in der Radiogeschichte gibt es nun einen Weltempfänger, der zugleich Internetradio und DAB+-Sender abspielen kann. Die DAB-Funktion erreicht man entweder durch das Menü, oder indem man die Taste FM wiederholt drückt. Durch längeres Drücken der Taste FM durchsucht der LC-100 alle verfügbaren Frequenzen und speichert die je aktuelle Senderliste ab. Optimal ist der Empfang von DAB+ mit nur zu 50% ausgezogenen Teleskopantenne. Auch die Ausrichtung der Antenne wirkt sich aus. Angezeigt werden Sendername und gespielter Titel. Der Klang ist sehr schön, ist nicht schlecht, könnte aber noch verbessert werden. Ich kann hier alle lokal verfügbaren Sender empfangen und auch einige Gäste aus dem benachbarten Frankreich sind zu hören. Immerhin!
Langwelle / Mittelwelle
Auch Lang- und Mittelwelle kann mit dem LC100 empfangen werden. Dafür besitzt das Gerät eine eingebaute Ferritantenne. Ungewöhnlich ist, dass ergänzend auch die Teleskopantenne verwendet werden kann, was den Empfang insbesondere im Außenbereich deutlich verbessert.
Insgesamt hat sich auf der Mittel- und Langwelle der Empfang, verglichen mit dem LC90, deutlich verbessert. Auch Klein- und Kleinstsender wie beispielsweise das Museumsradio aus Bad Ischl sind jetzt zu empfangen - vorausgesetzt, man bewegt sich in einer störungsfreien Umgebung. Auch beim LC100 soll erwähnt werden, dass das Radio über eine Buchse für den Anschluss einer externen Antenne verfügt - was ganz besonders im AM-Bereich von Vorteil ist. Wenn ich das Gerät mit meiner Wellbrook Loop verbinde, sind zuvor unhörbare Sender plötzlich da. Es ist leider Tatsache, dass es auf der Mittelwelle hier in Deutschland nur nach Einbruch der Dunkelheit etwas zu hören gibt. Das Spektrum des LC100 auf der Mittelwelle reicht von 522 bis 1710 KHz und kann in Schritten von 1, 9 oder 10 KHz eingestellt werden. Die Langwelle erreicht man durch wiederholtes Drücken der MW-Taste. Das Spektrum reicht von 153 KHz bis hinauf nach 279 KHz. Sehr schön ist zudem die variable Bandbreite der Sender - die es auch für die anderen Analogbänder gibt.
Kurzwelle und SSB
Die Kurzwelle reicht lückenlos von 2.300 KHz bis hin zu 29.999 KHz. Ebenso wie die anderen Bänder lässt sich die Kurzwelle sowohl über Drehknöpfe abstimmen, als auch direkt eintippen. Zudem gibt es auch SSB-Empfang - sowohl für den oberen (USB) als auch für den unteren Bereich (LSB), was sicherlich den Amateurfunkfreunden besonders gut gefallen dürfte. Die einstellbare Bandbreite erweitert die Möglichkeiten noch mehr. Auch wenn es Veröffentlichungen mit anderslautenden Bewertungen gibt: Die Empfangsleistung auf der Kurzwelle mit der eingebauten Teleskopantenne ist sehr gut. Im direkten Vergleich kann weder der DP-666 noch der Grundig Satellit700 mithalten. Besonders schön klingen AM-Sender mit starkem Signal und guter Modulation. Ein Beispiel wäre hier bei uns KBS World Radio auf 3955 KHz. Stellt man bei diesem die hohe Bandbreite ein, klingt der Sender fast wie ein UKW-Sender. Aber auch schwache Signale sind meist recht gut aufzunehmen.. Äußerst positiv wirkt sich auch bei der Kurzwelle der Anschluss einer guten externen Antenne aus. Mir ist es damit beispielsweise gelungen, an mehreren aufeinanderfolgenden Tagen morgens den kleinen mexikanischen Sender XEPPM auf 6185 KHz mit brauchbarem Signal zu empfangen.
Fazit

Das Warten hat sich gelohnt. Den LC100 ohne DAB+ gibt es schon jetzt, die hier vorgestellte Version mit DAB+ wird man ab Ende September bei Choyong bestellen können, ein paar Wochen danach dann auch bei Amazon.
Mit dem LC100 ist der Firma Choyong der ganz große Wurf gelungen. Für mich persönlich ist es das beste und schönste Radio, das ich je in Händen hatte. Es fällt mir immer wieder schwer, mich von dem Gerät zu lösen - und in seiner Vielfalt gibt es immer etwas, was mich fasziniert und fesselt. Sicherlich stehen für mich als DXer AM und FM im Vordergrund. Aber mit großer Begeisterung nutze ich auch das Zeitarchiv, die Musikbox-Funktion, das Internetradio mit seiner riesigen Datenbank und noch vieles mehr.

Mehr Informationen erhält man auf dem Webseiten vom Choyong. Dort ist das Gerät beschrieben und kann dort auch bestellt werden:
https://www.choyongradio.com/