XHDATA D-226

Retro ist in. Nicht nur im Radio-Bereich. Immer häufiger begegnet man mittlerweile durchaus modernen, technisch aktuellen Geräten in nostalgischer Tracht. Retro - das ist auch der erste Eindruck, wenn man den D-226 in die Hand nimmt. Entwickelt hat ihn die chinesische Firma XHDATA - und er erinnert mich persönlich an mein erstes eigenes Radio. Es war damals in den frühen Siebziger Jahren ein Taschenradio, das allerdings nur die Mittelwelle empfangen konnte. Dass der kleine D-226 wesentlich mehr zu leisten vermag, will ich im Folgenden zeigen.
Grau, Grün oder Rot sind die drei Farben, aus denen man wählen kann. Gut möglich, dass später noch weitere Farben dazu kommen. Klein, leicht und formschön: Knapp 27 Euro kostet das kleine Gerätchen mit seinen 12,5 * 7 * 2,5 cm derzeit im Onlinehandel. Direkt beim Hersteller sogar noch weniger. Ein Radio für so wenig Geld! Geht das wirklich? Intensive Tests haben gezeigt, dass der D-226 für seine Größe nicht nur sehr gut klingt, sondern auch mit wirklich beachtlicher Empfangsleistung aufwartet. Zum Betreiben des D-226 benötigt man zwei AA-Batterien, die nicht im Lieferumfang enthalten sind. Dabei können sowohl herkömmliche Einwegbatterien als auch aufladbare 3V-Akkus eingesetzt werden. Das Radio hat eine Funktion zum Aufladen der Akkus - ein Ladekabel lieg bei.
Ganze 160 Gramm wiegt das Radio. Selbst zusammen mit den beiden AA-Batterien sind es nur circa 220 Gramm. Ideal zum Mitnehmen auf Reisen oder für die Stunden auf Terrasse, Balkon oder im Garten. Praktisch ist die kleine Notfall-Leuchte auf der Geräteoberseite - insbesondere, wenn mal der Strom ausfällt und man sich im Dunkeln zurechtfinden muss.

Mit dabei ist eine kurze Beschreibung des Geräts in englischer Sprache. Dieses Datenblatt konzentriert sich auf die wesentlichen Grundlagen: Der Fokus liegt auf den technischen Eigenschaften, die einzelnen Funktionen und deren Bedienung sowie die vorgeschriebenen Vorsichtsmaßnahmen.
Links oben gibt es eine stabile Lasche zum einfachen Transport. Sehr benutzerfreundlich gibt es auf der Rückseite eine Klappe, auf der man nicht nur die wichtigsten technischen Daten des Geräts nachlesen kann, sondern die man auch herausziehen und das Radio dadurch in eine stabile halbschräge Position bringen kann.
Über eine digitale Frequenzeingabe verfügt er nicht, der kleine D-226 - was bei einem Preis von 27,00 EUR aber eigentlich auch nicht sonderlich überrascht. Die Einstellung von Sendern ist dadurch nicht ganz so einfach, wie beispielsweise beim XHDATA D-808 - aber trotzdem ist sie durchaus zu meistern. Erleichtert wird die Sendersuche insbesondere auf der Kurzwelle durch die Spreizung der Bänder und die Aufteilung in acht Frequenzbereiche. Die Kurzwelle umfasst den Frequenzbereich von 5.600 KHz bis 22.000 KHz - das 60- und 75-m-Band sind leider nicht vorhanden. Die Sendersuche ist, wie gesagt, aufgrund der fehlenden Digitalanzeige etwas gewöhnungsbedürftig - aber trotzdem nicht allzu schwierig - nicht zuletzt aufgrund der recht genauen Frequenzeinstellung des Geräts.

Die technischen Daten
Auf der oberen Seite findet man neben der ausziehbaren Teleskopantenne die Notfallbeleuchtung mit zugehörigem Ein-/Aus-Schalter. Für die Mittelwelle verfügt das Radio über eine eingebaute Ferritantenne - und natürlich eine Teleskopantenne für UKW und die Kurzwellen. Hinzu kommt je eine Buchse für den Kopfhörer und eine für die Aufladung der Akkus - falls solche verwendet werden. Das Gerät ist äußerst sparsam im Stromverbrauch, so dass die Batterien eine recht lange Betriebsdauer haben. Rechts gibt es ein Rädchen für die Einstellung der Sender und darunter eines zum Ein- und Ausschalten und Regeln der Lautstärke. In der unteren Hälfte gibt es einen kleinen aber erstaunlich leistungsstarken Lautsprecher, links ist die Skala und der Schalter zur Auswahl der einzelnen Frequenzbereiche.

UKW
UKW ist zweimal verfügbar: FM1 von 87 MHz bis 108 MHz, FM2 von 64 MHz bis 108 MHz. Der untere Frequenzbereich dürfte vor allem in einigen osteuropäischen Regionen von Interesse sein.
Der FM- bzw. UKW-Empfang ist gut bis sehr gut. Die stark einfallenden Sender sind sehr leicht einzustellen, die kleinen, etwas schwächeren Sender erfordern etwas mehr Fingerspitzengefühl. Das ist auch bei den anderen Bändern der Fall.
Als Referenzgeräte habe ich bei UKW den Grundig Satellit 700 und den kleinen, auf FM sehr empfangsstarken Deepelec DP-666 verwendet. Während die Empfangsleistung des chinesischen D-226 nicht ganz an den DP-666 herankommt, kann er mit dem Grundig Satellit 700 recht gut mithalten. Der kleine D-219 von XHDATA ist in der Empfangsleistung sehr ähnlich - die Einstellung der Sender ist beim D-226 etwas einfacher. Der Klang ist erstaunlich schön und ausgewogen. Ein Beispiel für den Empfang: Deutschlandradio Kultur sendet mit 200 Watt von der Berliner Allee in Freiburg i. Br. und kann hier Herbolzheim im nördlichen Breisgau noch empfangen werden. Ebenso uniFM, das von der Freiburger Uniklinik mit 300 Watt sendet. Sogar Freies Radio Wiesental (500 Watt) kann, wenn auch nicht ganz rauschfrei, gehört werden. Immerhin sind es von hier zum Sender fast 60 km.
Mittelwelle
Tagsüber ist auf den Mittelwellenbändern praktisch nichts zu hören, weil es in Deutschland für diesen Bereich nur noch Kleinstsender gibt. Ganz anders ist dies aber nach Einbruch der Dunkelheit. Ganz besonders Klänge aus Osteuropa können mit der eingebauten Ferritantenne problemlos empfangen werden. Seit Spanien die Mittelwelle weitgehend verlassen hat, kommt beispielsweise auf 576 KHz BNR Horizont aus Bulgarien problemlos und ohne Interferenzen hier an. Es geht aber noch mehr: Auch das Museumsradio aus Bad Ischl (1476 KHz mit 1 KW) ist hier im Breisgau empfangbar - und nach dessen Abschaltung am späten Abend kann man auf derselben Frequenz mit etwas Glück sogar die ungewohnten Klänge von Radio Keralam aus Ras al-Khaima in den Vereinigten Arabischen Emiraten hören. Die Mittelwelle umfasst den Bereich von 520 KHz bis 1730 KHz, so dass nachts auch Piraten-Musiksender aus den Niederlanden und Griechenland zu hören sind.
Kurzwelle
Die Kurzwelle ist in acht Bänder aufgeteilt und gespreizt. Etwas schade ist, dass das 75-Meter-Band nicht mit von der Partie ist, denn dort sendet nicht nur der beliebte Channel 292, sondern abends auch in ausgezeichneter Empfangsqualität KBS World Radio aus Seoul (mit Senderstandort UK).
Durch die Bänderspreizung sind die Kurzwellensender relativ leicht einstellbar - insbesondere für versierte DXer, Radio- und Kurzwellenhörer. Verfügbar sind die Kurzwellen vom 4.750 KHz bis 22.000 KHz. Auf Zwischenfrequenzen wie beispielsweise 6.400 KHz bis 6.800 KHz oder 10.000 KHz bis 11.450 KHz wurde verzichtet, weil dort ohnehin nur die sogenannten Utility-Sender zu empfangen sind.
Das Signalverhalten auf den Kurzwellenbändern ist verblüffend. Der Grundig Satellit 700 oder vergleichbare traditionelle Weltempfänger können da nicht mithalten. Ein Beispiel: auf 6070 KHz konnte der Channel 292 mittags mit schwachem Signal und starkem Rauschen empfangen werden, auf dem D-226 hingegen mit sehr starkem Signal und sehr geringem Rauschen. Entsprechend überraschte der D-226 auch auf dem anderen Kurzwellenbändern. Ohne digitale Anzeige ist zwar ein wenig Fingerspitzengefühl erforderlich - aber daran gewöhnt man sich rasch und es lohnt sich in der Tat.
Fazit

Was auf den ersten Blick wie ein Taschenradio aus alten Zeiten erscheint, ist in Wirklichkeit ein hochsensibles und empfangsstarkes Radio - zudem mit einem beeindruckenden Klangbild. Insgesamt hat XHDATA mit dem D-226 für ganz kleines Geld ein weiteres erstaunlich leistungsstarkes und, wie ich finde, optisch sehr schönes Radio entwickelt. Feingefühl ist für eine reibungslose Bedienung notwendig - dafür aber wird der Anwender mit ganz erstaunlichen Ergebnissen belohnt. Schade, dass das 75-m-Band fehlt. Trotzdem aber ein schönes Radio und wie ich finde, sehr empfehlenswert. Und leuchtend rot und schön war damals auch schon mein allererstes Taschenradio.
Weiterführende Informationen gibt es auch direkt beim Hersteller:
https://www.xhdata.com.cn/de/products/xhdata-d-226-radio